Von:
Heiner Aldebert

e-bibliodrama.de

Bis ich das Bibliodrama kennen lernte, ging es mir mit der Bibel wie dem kleinen Helden Bastian in Michael Endes "Unendlicher Geschichte". Da war zwar eine vage Sehnsucht, eher unbewusst, vielleicht genährt durch verschüttete Kindheitserinnerungen an kantige Holzschnittfiguren aus meiner Kinderbibel: Saul mit dem Speer, David mit dem abgeschlagenen Kopf Goliaths.

Auch in manchen Jesusgeschichten war noch ein Rest Leben. Das Weinwunder von Kana; hatte ich mir nicht immer vorgestellt, als Kind bei diesem Fest mit dabei zu sein? Aber als Theologe hatte ich längst gelernt, dass das nicht geht: der „garstige Graben der Geschichte“ trennte uns von der Welt der Bibel.

Ich hatte gelernt, die Geschichten erwachsen, wissenschaftlich, historisch-kritisch zu durchschauen, wie bei einer Zwiebel Schale um Schale Veränderungen und Ergänzungen von den Texten abzuschälen, um schließlich nach der letzten Schale ins Zentrum vorzudringen, wo ich dann … praktisch nichts fand. Das Nichts hatte sich der Geschichten bemächtigt, nach all dem Durchschauen interessierten sie mich nicht mehr.

Es ging mir wie dem Jungen Bastian, der es nicht (mehr) glauben konnte, dass von seiner Bereitschaft, die Welt einer Geschichte mit Haut und Haaren, mit Herz und Kopf zu betreten, das Überleben dieser Welt und noch viel mehr abhängen könnte. Bis ich im Bibliodrama mit anderen zusammen dann doch echte Expeditionen ins Innere biblischer Geschichten zu unternehmen begann.

Ich wurde von ihnen aufgesaugt. Im Rollenspiel, in Körperübungen, im Klangerleben wurde ich bei meinem ersten Bibliodrama-Wochenende selbst Simson. Ich erlebte seinen Hass, seine Verzweiflung, durch die Brille meiner Biographie. Im Feedback mit den anderen nahm ich wieder Distanz. Ich lernte, mich von einem biblischen Text lesen zu lassen, anstatt ihm nur von außen eine Bedeutung zu geben.

Dass dahinter auch eine Welt des Wissens, eine ganze Theologie stehen kann, fasziniert auch meinen Verstand. Das Bibliodrama ist eine zeitgemäße Form, die Bibel so zu erfahren, wie sie gemeint ist: Als lebendiger, Buch gewordener Schatz menschlicher Glaubenserfahrung und als Chance, Gott selbst zu begegnen.